Gesetzliche Krankenversicherung: Welche Folgen haben Beitragsschulden?

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Gesetzliche Krankenversicherung: Welche Folgen haben Beitragsschulden?

(akz-m) Wer krankenversichert ist, für den übernimmt die Gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für medizinisch notwendige Behandlungen – vorausgesetzt, die Beiträge werden regelmäßig gezahlt. Doch was passiert, wenn dies nicht möglich ist? Welche Konsequenzen Beitragsschulden haben, erklärt Heike Morris, juristische Leiterin der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD).

Finanzielle Entlastung

Bei Beschäftigten, die in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pflichtversichert sind, wird jeden Monat ein prozentualer Teil des Bruttogehalts gemeinsam mit dem Anteil des Arbeitgebers an die Versicherung überwiesen.

Hauptberuflich Selbstständige gelten in der GKV als „Selbstzahler“ und entrichten allein den vollen Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Bisher war es geringverdienenden Selbständigen nicht immer möglich, die monatlichen Beiträge zu zahlen. Denn bei deren Berechnung wurde bis Ende 2018 davon ausgegangen, dass freiwillig Versicherte in der GKV, also auch hauptberuflich Selbstständige, mindestens 2.283,75 Euro Gewinn erzielen. Inklusive Pflegeversicherung und Zusatzbeitrag waren monatlich circa 400 Euro an die Krankenversicherung zu zahlen, wobei die konkrete Höhe vom einzelnen Versicherten abhing“, sagt Morris. Für Existenzgründer und in Härtefällen lag die Mindestbemessungsgrenze bei 1.522,50 Euro.

Um die Versicherten zu entlasten, wurde die Mindestbemessungsgrenze für hauptberuflich Selbstständige – und damit auch der Krankenkassen- und Pflegekassenbeitrag – Anfang 2019 halbiert. „Allerdings bleiben Schulden, die zuvor bei der Versicherung gemacht wurden, weiterhin bestehen“, sagt Heike Morris.

Ist ein gesetzlich Versicherter mit Zahlungen in Höhe von Beitragsanteilen für zwei Monate im Rückstand und kann trotz Mahnung die Schulden nicht begleichen, so ruht der volle Versicherungsschutz. „Die Kasse übernimmt dann nur noch die Kosten für Akutbehandlungen und Früherkennungsmaßnahmen, sowie Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft.“ Sie haben Fragen zum Thema? Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) berät kostenfrei und unabhängig unter 0800/011 77 22 und www.patientenberatung.de.

Ratenzahlung vereinbaren

Wer mit den Beitragszahlungen in Verzug gerät, sollte sich frühzeitig mit seiner Krankenversicherung in Verbindung setzen. „Eventuell ist es möglich, eine Ratenzahlung zu vereinbaren“, sagt Heike Morris. Überweist der Versicherte den Monatsbeitrag und die Rate inklusive Verzugszins fristgerecht, hat er wieder Anspruch auf alle Leistungen der Krankenversicherung. „Ist eine Ratenzahlung nicht möglich, kann ein Schuldenberater helfen, eine Lösung zu finden.“ Im Falle einer Hilfebedürftigkeit kann der Versicherte zudem beantragen, dass die Beiträge durch den zuständigen Sozialleistungsträger übernommen werden.