Die Trauerhaltestelle

Ein alternativer und konfessionsübergreifender Trauerort auf dem größten Parkfriedhof der Welt. Foto: Katharina Rogmann / akz-m

Die Trauerhaltestelle

(akz-m) An zentraler Stelle ist auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg im Sommer 2021 ein Ort entstanden, von dem neue Impulse für unsere Trauerkultur ausgehen: „ Die Trauerhaltestelle“.

Es gibt keine Anleitung und keine Empfehlung zum Besuch der Trauerhaltestelle, so wie es auch kein Patentrezept zur Verarbeitung und Bewältigung von Trauer gibt. Jede und jeder kann den Ort auf sich wirken lassen und in sich hineinspüren: Was tut mir in meiner ganz persönlichen Trauer gut? Was verbindet mich mit anderen und mit der Welt – und was kann oder will ich nur mit mir selbst ausmachen?

Konfessionsübergreifend

Die Trauerhaltestelle misst etwa 5 x 9 Meter und wird aus zwei massiven Betonklammern gebildet. Auf diese Weise entsteht ein geschützter Raum, der gleichzeitig offen ist. Trauernde können im Innenbereich Botschaften mit Kreide hinterlassen oder Blumen ablegen. Sie können die Trauerhaltestelle durchschreiten oder im Inneren verweilen. Die Architektur spielt mit Lichteinfällen und thematisiert Vergänglichkeit, indem die Inschriften der Trauernden mit der Zeit witterungsbedingt wieder verschwinden.

„Unsere Gesellschaft hat gewisse Grundsätze der Trauerverarbeitung noch nicht verinnerlicht, obwohl sie längst den Bedürfnissen und der Lebenswirklichkeit der Menschen entsprechen“, sagt Dr. Simon J. Walter, Kulturbeauftragter der Stiftung Deutsche Bestattungskultur. „Trauer braucht Raum. Jeder Abschied sollte individuell sein. Sterbenden wie Angehörigen muss ein würdevolles Abschiednehmen gemäß ihren persönlichen Wünschen ermöglicht werden.“

Gedanken, Wünsche und Zitate

Und das Projekt trifft einen Nerv: „Die Resonanz übersteigt all unsere Erwartungen“, sagt Andreas Niehaus, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Bestattungskultur. Zahlreiche Trauernde haben bereits ihre Gedanken, Wünsche und Zitate auf die Innenwände der Trauerhaltestelle niedergeschrieben. „Dies zeigt uns, dass wir mit der Trauerhaltestelle Trauernden genau den Raum geben, den sie benötigen, um die eigene Trauer zu verarbeiten“, so Andreas Niehaus weiter. Noch ist die Trauerhaltestelle ein Unikat. Ob weitere folgen? Vielen Menschen könnte die Idee helfen.

Seit vielen Jahren hat die Stiftung Deutsche Bestattungskultur die Idee der Trauerhaltestelle gepflegt und den Bau in enger Abstimmung mit den Hamburger Friedhöfen AöR (Anstalt öffentlichen Rechts) im Auftrag des Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e. V. begleitet.

Mehr unter: www.stiftung-deutsche-bestattungskultur.de