Wildtiere wirken in sozialen Netzwerken oft wie geeignete Haustiere. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass ihre Bedürfnisse in privater Haltung meist nicht erfüllt werden können. Foto: pexels.com / Welttierschutzgesellschaft e.V. / akz-m
Wenn süße Wildtier-Videos täuschen: Warum Social Media den Blick auf exotische Tiere verändern kann
(akz-m) Ein Otter planscht in der Badewanne, ein Äffchen trägt Kinderkleidung oder ein Serval spielt mit dem Familienhund – solche Videos erzielen in sozialen Netzwerken oft Millionen Aufrufe. Die Tiere wirken verspielt, zutraulich und glücklich. Doch was auf den ersten Blick niedlich erscheint, vermittelt häufig ein falsches Bild vom Leben wilder Tiere.
Viele Wildtiere haben Ansprüche, die sich grundlegend von denen klassischer Haustiere unterscheiden. Sie benötigen große Reviere, spezielle Nahrung oder den Kontakt zu Artgenossen. Manche Arten legen täglich weite Strecken zurück oder folgen einem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Diese Bedürfnisse lassen sich in privater Haltung meist nur unzureichend erfüllen. Fachleute weisen deshalb seit Jahren darauf hin, dass Wildtiere keine Haustiere sind – auch dann nicht, wenn sie in Videos besonders zahm wirken. Hinzu kommt, dass kurze Clips oft nur einen kleinen Ausschnitt zeigen. Wie die Tiere gehalten werden oder ob sie unter Stress stehen, bleibt für Zuschauerinnen und Zuschauer meist unsichtbar. Dennoch können solche Aufnahmen den Eindruck erwecken, die Haltung exotischer Tiere sei unkompliziert oder sogar erstrebenswert. Tierschutzorganisationen sehen darin einen Grund dafür, dass das Interesse an Wildtieren als Haustieren wächst.
Falsche Erwartungen
Wie präsent das Thema inzwischen in sozialen Medien ist, zeigt eine internationale Untersuchung der Social Media Animal Cruelty Coalition (SMACC). Dafür wurden mehr als 80.000 Beiträge aus dem Jahr 2024 ausgewertet. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die Darstellung von Wildtieren in privater Haltung zu den häufigsten problematischen Tierinhalten auf Social Media zählt. Auch die Welttierschutzgesellschaft beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. „Wildtiere können ihre artspezifischen Bedürfnisse nur in ihrem natürlichen Lebensraum oder in dafür geeigneten Einrichtungen ausleben“, erklärt Wiebke Plasse, Leiterin Kommunikation der Welttierschutzgesellschaft. Werden sie dagegen als kuschelige Begleiter oder Familienmitglieder dargestellt, könne dies falsche Erwartungen wecken und Nachahmer motivieren.
Weder liken noch teilen oder kommentieren
Verbraucherinnen und Verbraucher können selbst dazu beitragen, diese Entwicklung nicht weiter zu unterstützen. Fachleute empfehlen, problematische Wildtier-Videos weder zu liken noch zu teilen oder zu kommentieren, da jede Interaktion ihre Reichweite erhöhen kann. Stattdessen sollten auffällige Inhalte direkt bei der jeweiligen Plattform gemeldet werden. Wer Wildtiere schätzt, erlebt sie am besten dort, wo sie hingehören: in ihrem natürlichen Lebensraum oder in seriösen Naturdokumentationen.