Das Märchen vom guten Einheitsbett

Foto: Philrouge / akz-m

Das Märchen vom guten Einheitsbett

(akz-m) Es klingt so schön einfach: Kein Mensch muss sich mehr Gedanken um das richtige Bett machen. Denn es gibt angeblich ja eine Matratze, die jeweils für alle Schläfer passt.

Die Realität sieht aber anders aus. Täglich bedient der deutsche Bettenfachhandel Kunden, die auf ihrer – meist online gekauften – Einheitsmatratze schlecht schlafen. Diese Beobachtung wurde unlängst durch eine große Verbraucherstudie bestätigt. So hat die im Auftrag der Firma Lattoflex durchgeführte „Schlafstudie 2019“ mit insgesamt 8.000 Bettenkäufern in Deutschland, Österreich und der Schweiz ergeben, dass Online-Käufer deutlich schlechter schlafen als Fachgeschäfts-Kunden, die sich vor dem Kauf individuell beraten ließen. Auch Käufer von „Testsieger-Matratzen“ leiden danach öfter unter Rückenschmerzen.

Das Ergebnis der Umfrage ist für Liegeexperten keine Überraschung. „Die Menschen sind sehr unterschiedlich, eine Standardlösung ist daher immer problematisch“, weiß z. B. Professor Dr. Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Chefarzt an der Fachklinik Herzogenaurach. Die Menschen sind so verschieden, dass eine einzige Matratze gar nicht für jeden passend sein kann. Körperliche Unterschiede bei Schulter-, Taillen- und Beckenbreite, beim Körpergewicht oder auch bezüglich der Schlafposition (Bauch, Seite oder Rücken) bestimmen maßgebend die individuellen Anforderungen an die Schlafstätte. Die sind z. B. bei einem großen schweren Mann komplett anders als bei einer kleinen leichten Frau.

Warum bekommen manche Einheitsmatratzen dann trotzdem gute Noten bei Stiftung Warentest? Die Antwort ist recht einfach: Es liegt am fragwürdigen Testaufbau. Denn bei der Suche nach einem Produkt, das möglichst allen passt, muss die individuell optimale Lösung zwangsläufig verlieren. Würde man den universell besten Schuh für Menschen mit unterschiedlichen Fußformen suchen, hätte das maßgefertigte Modell keine Siegchance. Nicht anders verhält es sich bei der individuell optimalen Schlaflösung!

Wichtig zu wissen: Die Sensibilität für die Notwendigkeit einer individuell angepassten Bettenlösung steigt mit dem Alter. Normale körperliche Verschleißerscheinungen, steigende Temperatur- und Druckempfindlichkeit sowie vor allem zunehmende Rückenbeschwerden führen dazu, dass sich die Ansprüche an Matratze und Unterfederung zum Teil massiv ändern. Besonders deutlich wird dies nach Bandscheiben-Operationen sowie bei Gleitwirbeln und Arthrose. Spätestens dann führt kein Weg an einer ausführlichen Beratung bei einem Bettenspezialisten mehr vorbei. Adressen guter Bettenfachhändler findet man z. B. auf der Website www.jeder-schläft-anders.de.